“Al Umma, Gemeinschaft” Zeitschrift Ausgabe September 2010
Bismillahi ar rahmani ar rahim,
Alles Lob gebührt ALLAH. Wir danken Ihm, erstreben Seine Hilfe und bitten um Seine Vergebung. Und wir suchen Zuflucht bei Ihm vor dem Übel unserer eigenen Seelen und vor unseren Missetaten. Wen Allah rechtleitet, der wird nie fehlgehen. Wen ALLAH fehlgehen lässt, für den wird es keine andere Rechtleitung geben. Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah: nur Er ist es wert, angebetet zu werden. Er ist einzig und hat keinen Partner, und ich bezeuge, dass Muhammad – Friede und Segen seien auf ihm – Sein Diener und Sein Gesandter ist. Möge ALLAH (subhana wa ta’ala) meine Worte rechtleiten und sie auf einem gesegneten Weg zu meinen Geschwistern gelangen lassen. Möge ER mir vergeben, wenn sie falsch und unwahr sind, und sie uns sodann vergessen lassen. Amin.
„Ahlan wa Sahlan lieber Ramadan, komm herein!“
Salam alaikum meine lieben Brüder und Schwestern im Islam.
Es ist wieder soweit: der Ramadan steht vor der Tür – die segensreichste Zeit im Jahr. Alhamdulillah.
Aber was bedeutet der Ramadan überhaupt für uns Muslime? Für unseren Alltag? Für unseren Charakter? Für unsere Taten? Für unsere Beziehung zu ALLAH? Und was bedeutet er für unsere Zukunft als Muslime und als Ummah?
Besonders hier in Deutschland sind wir durch unsere nichtmuslimische Umgebung dazu gezwungen, uns bewusst mit unserer Religion und besonders unserem Fasten auseinanderzusetzen. Wir entscheiden uns in einer nichtfastenden Gesellschaft aktiv für das Fasten, während in arabischen Ländern eher passiv mit allen anderen zusammen gefastet wird. Dieses bewusste Fasten mag dem Einzelnen zwar schwerer fallen, bietet aber als bewusstes Fasten die einmalige Gelegenheit, ALLAH unglaublich näher zu kommen.
Wir werden von unseren Freunden, Kollegen und Nachbarn ausgefragt, warum wir überhaupt fasten, wie sich das so anfühle und dass das doch eigentlich sehr ungesund sei – besonders das Essenverschlingen am Abend. Und jeden Tag aufs Neue müssen wir mit Würde, Verstand und Wissen antworten – wir sind ja schließlich Muslime und besonders zu Ramadan versuchen wir, der eigentlichen Bedeutung dieses Begriffs im idealsten Sinne gerecht zu werden. Und mit jeder bestanden Prüfung verschönert sich unsere Wohnstätte im Jenseits. Alhamdulillah. Aber genau dieses tägliche Zusammenleben mit Nichtmuslimen im Ramadan gibt uns die unermessliche Gelegenheit, unser Selbst besonders im Vergleich zu Nichtmuslimen kritisch zu betrachten und zu beobachten. Denn unser Selbst ist im Ramadan am deutlichsten zu erkennen. Dadurch, dass alle Schaitane eingesperrt sind, ist man zu der Anerkennung gezwungen, dass die (eventuellen) schlechten Einflüsterungen von uns selbst kommen – von unserem Nafs. Die Gottesfürchtigen unter uns sagen „Alhamdulillah!“, denn sie wissen, dass ALLAH unser tiefstes Ich besser kennt als wir selbst. Sie wissen, dass uns vor ALLAH nicht auszeichnet, in welchem Land wir geboren wurden, wie reich unsere Verwandtschaft ist, wie hübsch unser Spiegelbild uns täglich zurücklächelt und welche Fähigkeiten und Talente wir besitzen. Bei all dem sollte man eher ALLAH preisen und tatkräftig dankbar und nicht stolz oder gar arrogant sein. Wir zeichnen uns dadurch aus, was wir aus diesen Gaben Gottes machen. Wie rein unsere Gedanken sind, wie gesittet unser Verhalten, wie ausgeschöpft unsere Talente, wie fest unsere Moral, wie regelmäßig unsere (guten) Taten und wie unbestritten ehrlich und tief unser Iman. Für die Gunst bei unserem Schöpfer gilt es also, dieses wirkliche und echte Ich zu bearbeiten und nicht die Flicken des Deckmantels der Dunya mit glitzernden Auszeichnungen zu verbergen. Somit strebt der Gottesfürchtige stets eine Charakterreinigung an. Als Muslim vergleicht man seine guten Taten nämlich nach oben, d.h. mit Geschwistern, die noch mehr gute Taten verrichten, um selbst eifrig noch mehr zu tun. Und man vergleicht seinen Besitz nach unten, um stets Alhamdulillah zu sagen. Im Ramadan haben wir nun also die einmalige Gelegenheit, so tief in uns hinein zu hören, wie es sonst nicht möglich ist. Wie oft rutschen uns Schimpfwörter heraus, wie oft schlechte Gedanken, wie überzeugend schnell gefunden ist die Ausrede für unser schlechtes Verhalten, wie schnell werden wir ungeduldig und wie schnell undankbar? Und im Ramadan ist es nicht der Schaitan, der uns etwas eingeflüstert hat. Das sind wir, geprägt durch unsere Umgebung, unsere Arbeit, unsere Werke und unser Gewissen. Testen wir uns doch mal selbst! Oder testen wir uns gegenseitig! Wir müssen zum Beispiel auf unsere Sprache und unsere Gedanken achten. Ist unser Iman ehrlich, so streben wir eine reine, stolze Sprache sowie würdevolle und dankbare Gedanken an. Ist das so bei uns oder nicht? Ist es wirklich immer so? Und wenn nicht, wie können wir unsere Sprache und unsere Gedanken verbessern? Die erste Zeit werden uns die schlechten Wörter erst auffallen, wenn sie schon ausformuliert wurden. Dann merken wir es, wenn wir es ausformulieren wollen. Und nach einer Zeit empfinden wir – inshaALLAH – gar nicht mehr das Bedürfnis danach, diese Worte in uns und um uns herum zu hören. Viele sagen, sie würden ruhiger werden, wenn sie sich über eine Sache so richtig mit Worten auslassen. Meine Erfahrung war es, dass man dadurch nur umso wütender wird. Sich gar nicht erst aufregen, unvermeidbare Dinge akzeptieren und zuerst 70 Ausreden für sein Gegenüber erfinden, weshalb seine Absicht und somit Tat keine schlechte war, das hilft mehr als alles andere. „Dann kommt die Bahn eben zwei Stunden nach dem eigentlichen Termin an. Na und? Ich wollte sowieso das Buch zu Ende lesen. Und jetzt schenkt ALLAH(s) mir diese zwei Stunden dazu. Und das in einer so interessanten Umgebung. Alhamdulilillah. Ich freu mich schon so sehr, meine Geschwister heute wieder zu sehen. Alhamdulillah!“ Oder wir können unsere Mitmenschen beobachten, wie schnell und intensiv manche sich über Kleinigkeiten aufregen, wie sie sich mit Unehrlichkeiten durch das Leben schieben und wie sie krampfhaft versuchen, die Glückseligkeit und innere Ruhe in einsamen, oberflächlichen und kurzlebigen Dingen zu finden. Welchen Nutzen und welchen Schaden erkennen wir? Entdecken wir vereinzelt unsere eigenen Taten in ihnen wieder? Also liebe Brüder und Schwestern. Nehmen wir die Möglichkeit im Ramadan wahr, uns selbst auf ehrliche und wahrhafte Art und Weise besser kennen zu lernen. Sodass wir unseren Charakter reinigen und verbessern können. Woraufhin ALLAH seine aktiven Diener für ihren Sieg bei dieser schweren Anstrengung belohnen und lieben kann. Alhamdulillah. ALLAH möchte uns lieben!
Liebe Geschwister. Sucht die Gemeinschaft. Sucht das Leben in der Ummah. Sucht die Vielfalt der Gedanken, der Herzen, der Dankbarkeiten und der Freundschaften. Verabredet euch mit euren Geschwistern: „Komm! Lass uns zusammen ins Paradies eingehen!“ Weist euch gegenseitig auf schlechte und gute Dinge hin. Schöpft aus den Guten und vermeidet die Schlechten. Und fragt euch strebsam, was können wir für unsere Ummah geben?
Also sagt: „Alhamdulillah! Der Ramadan ist da! Ich möchte Muslim sein und auch für immer bleiben! InshaALLAH!“
“Er lässt euch euere Taten gut werden und Er verzeiht euch euere Sünden, und wer gehorcht ALLAH und Seinem Gesandten, so hat er bereits gewaltigen Gewinn gewonnen.” (Quran 33:71)
“Oh diejenigen, die ihr glaubt, fürchtet ALLAH mit wahrer Furcht und sterbt keinesfalls anders als Muslime.” (Quran 3:102)
Mögen wir uns die Liebe von ALLAH verdienen. Mögen wir IHN und SEINE Liebe lieben. Amin
Schwester Anmar
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